Der Jasskarten-Designer

Herzdame, Schiltenkönig, Kreuzbauer – dank Grafiker Jens Riedweg, 39, aus Baar ZG kommen die Jasskarten neu in einer filigraneren Aufmachung daher.

«Ich gestehe es gleich zu Beginn: Beim Differenzler bin ich richtig schlecht, weil ich bis heute nicht weiss, wie viel die einzelnen Karten zählen. Und beim Schieber freue ich mich immer über einen guten Partner an meiner Seite. Wenn überhaupt, dann spiele ich mit meiner Freundin ab und zu mal «Tschau Sepp». Trotzdem ist das Neuzeichnen der Jasskarten für mich eine Herzensangelegenheit, eine private Sache ohne Auftraggeber oder Verdienst. Mich hat die Typografie der Karten gestört, die diversen Schriften und gescannten Illustrationen. Wissen Sie, die Zeichnungen der Figuren sind rund siebzigjährig und wurden einst von Hand gemacht, ebenso die noch viel ältere Beschriftung «Under», «Ober» und «König» im deutschen Set – alles Handarbeit.

Die deutschen Spielkarten mit den Symbolen Schellen, Schilten, Eicheln und Rosen gibt es seit über einem halben Jahrtausend. Für den Jass werden sie allerdings erst seit gut zweihundert Jahren verwendet. Ich hatte bei meiner Arbeit viel Respekt vor dem, was bereits da war. Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, die Sujets so zu verfremden, dass man sie nicht wiedererkennt. Dennoch habe ich jede Karte am Computer von Grund auf neu gebaut, die Konturen schärfer gezeichnet, Schraffuren angepasst. Und optisch schwierige Konstellationen erlaubte ich mir auszubügeln. So sind bei der französischen Variante nun die Zahlen nicht mehr in den Symbolen drin platziert, sondern in den -Kartenecken. Die Kreuze wurden unten rund, die Herzen etwas schmaler. So wirkt das neue Design filigraner.

Haben Sie sich mal geachtet, dass es bei den deutschen Karten nur Männer gibt; keine Königinnen wie bei den französischen? Das habe ich selbstverständlich so belassen. Die meisten Figuren rauchen oder schauen in die Welt hinaus – optisch am spannendsten ist für mich der Schiltenunder. Er hat eine Feder hinter dem Ohr und einen Brief in der Hand, wirkt sehr dynamisch. Bei ihm habe ich das Couvert neu weiss, statt wie bisher gelb gefärbt; das ist stimmiger. Sonst habe ich mir keine gröberen Änderungen erlaubt. Auch nicht, um mich irgendwo zu verewigen – ich habe zwar einen Moment darüber nachgedacht, konnte aber widerstehen …

Jens Riedweg

Gedruckt werden meine Karten in Stans – somit sind sie voll und ganz «made in Switzerland». Das ist mir wichtig, denn die meisten Sets kommen aus dem Ausland, aus Belgien. Das von uns verwendete Papier hat einen schwarzen Kern, damit nichts durchschimmert. Und ein spezieller Lack sorgt dafür, dass die Karten nicht so schnell schmuddlig werden.

Bald bringen wir eine Sonderedition mit einer Goldfolien-Relief-Prägung auf den Markt – mal ein etwas ausgefallenes Mitbringsel bei einer Einladung, oder? Und auch Jass-Briefmarken von mir gibt es seit Herbst 2018.

Mit einem ersten Entwurf der Karten haben wir ein Turnier mit routinierten Jassern veranstaltet, um herauszufinden, ob sie die Neuerungen akzeptieren. Heute kann ich sagen: Keine Rückmeldung ist in dieser Szene eine gute Rückmeldung. Einzig ein Ostschweizer monierte, das sei alles ein bisschen zu modern. Ansonsten sind heute rund 30000 Sets in Umlauf. Im Moment überarbeite ich gerade die Karten des italienischen Spiels Scopa; weiter stehen die von Skat und Rommé an, die von «Schafkopf Tarock» sind schon fast in Druck. Ja, ich bin sozusagen ein Spielkarten-Spezialist geworden. Mein grösster Traum? Dass im «Donnschtig-Jass» des Schweizer Fernsehens mal mit meinen Karten gespielt wird.

Text: Christine Zwygart aus der aktuellen Landliebe vom
März/April 2019 – jetzt am Kiosk erhältlich.

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