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Geschichte der Spielkarten: Die Jass-Saga der Schweiz

Die Geschichte der Spielkarten in der Schweiz ist weit mehr als nur eine Chronik eines Zeitvertreibs – sie ist ein Stück lebendige Identität, das Generationen am Stubentisch, in der Berghütte oder beim Pendeln im Zug verbindet. Doch wer glaubt, die Karten seien eine rein helvetische Erfindung, wird von den historischen Fakten eines Besseren belehrt.

Ein holländischer Import mit Folgen

Die Wurzeln des Jassens liegen überraschenderweise in den Niederlanden. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts brachten Schweizer Reisläufer (Söldner), die in holländischen Regimentern dienten, das Spielprinzip und die Begriffe mit nach Hause. Sogar unser liebstes Vokabular ist ein sprachliches Mitbringsel: «Jass» (oder «Jas») bezeichnete im Holländischen den Bauer (den Trumpf-Under), und auch das „Nell“ für die Trumpf-Neun stammt direkt von unseren nördlichen Nachbarn.

Der erste «offizielle» Jass-Skandal der Schweiz ist sogar aktenkundig: Im November 1796 zeigte ein besorgter Pfarrer in Siblingen (Schaffhausen) zwei Bauern an, weil sie eine ganze Nacht lang um ein Glas Wein gejasst hatten. Was die Obrigkeit damals als sündiges Glücksspiel bekämpfte, entwickelte sich im 19. Jahrhundert rasch zum Volkssport .

Der Triumph über das Tarock

Bevor der Jass die Oberhand gewann, regierte das Tarock (auch Troggen genannt) die Schweizer Spieltische. Doch der Jass hatte einen entscheidenden Vorteil: Er benötigte nur 36 statt 78 Karten. Das machte ihn nicht nur handlicher für die Hosentasche der Soldaten, sondern auch dynamischer im Spielablauf. Während das komplizierte Tarock heute nur noch in wenigen alpinen Rückzugsgebieten wie dem Wallis (Visperterminen) oder der Surselva überlebt hat, trat der Jass seinen unaufhaltsamen Siegeszug durch alle Kantone an.

Das Basler Papierwunder und die Kartenmacher

Dass die Schweiz heute ein Zentrum der Kartenkultur ist, verdanken wir einer kuriosen Fügung während des Konzils von Basel (1431–1449). Der Basler Handelsherr Heinrich Halbisen hatte für die Kirchenväter riesige Mengen Papier produziert . Als das Konzil endete, blieb er auf seinem Vorrat sitzen und begann kurzerhand, das Papier für die Herstellung von Spielkarten zu nutzen . Basel wurde so zum frühen europäischen Hotspot der Kartenfabrikation.

Ein Land, zwei Welten: Der Jassgraben

Wer in der Schweiz jassen will, stösst unweigerlich auf den berühmten Jassgraben. Entlang der Brünig-Napf-Reuss-Linie verläuft eine unsichtbare Grenze, die unser Land in zwei Lager teilt:

Das Deutschschweizer Bild: Tradition pur

Östlich der Grenze schlägt das Herz für Rosen, Eicheln, Schellen und Schilten. Diese Symbole sind echte Veteranen und existieren in ihrer Grundform seit über 500 Jahren. Da die Karten die mittelalterliche Gesellschaftsordnung widerspiegeln, suchen Sie Damen hier vergeblich – die Hierarchie folgt mit König, Ober (Offizier) und Under (Soldat) rein militärischen Rängen. Eine Besonderheit ist das Banner (die 10), das an die alten Fahnen der eidgenössischen Kriegsheere erinnert .

Das Französische Bild: Steuerflucht und Pragmatismus

Herz, Ecke, Schaufel und Kreuz verbreiteten sich ab dem späten 18. Jahrhundert in der Westschweiz. Der Grund war ökonomisch: In Frankreich wurden hohe Steuern auf Karten erhoben, woraufhin viele Kartenmacher in die Schweiz flüchteten, wo sie ihre Waren steuerfrei produzieren konnten . Die französischen Motive waren zudem durch ihre klare Zweifarbigkeit (Rot/Schwarz) viel effizienter mit Schablonen herzustellen als die aufwendigen Holzschnitte der Deutschschweizer Karten.

Schweizer Jass Header
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FAQ – Das grosse Jass-Akkordeon für Kenner und Könner

In diesem Bereich findest du Antworten auf die brennendsten Fragen zur Geschichte der Spielkarten und den Jass-Regeln.

Ein Standardspiel umfasst insgesamt 157 Punkte. Das setzt sich zusammen aus 152 Kartenpunkten und 5 Zusatzpunkten für den letzten Stich. Wenn ein Team alle Stiche holt (einen „Match“ macht), gibt es 100 Bonuspunkte obendrauf, was ein stolzes Total von 257 Punkten ergibt.

Das ist historisch bedingt. Die Deutschschweizer Karten basieren auf der spätmittelalterlichen Hierarchie und dem Militärwesen: König, Ober (Offizier) und Under (Soldat). Die Dame war damals nur im französischen Set vorgesehen. In jüngster Zeit gibt es jedoch moderne Künstler-Editionen, die Königinnen und Könige gleichberechtigt auf die Karten bringen.

Achten Sie mal genau auf den Eichlen-Ober: Während alle anderen Ober und Könige stolz nach links blicken, ist er die einzige Bildkarte, die konsequent nach rechts schaut. Warum er aus der Reihe tanzt, bleibt ein Geheimnis der Ikonographie – vielleicht wollte der Zeichner damals einfach ein wenig Abwechslung ins Spiel bringen.

Das ist die ultimative Prioritätsregel für das „Ausmachen“. Wenn beide Teams im selben Spiel die Zielpunktzahl erreichen, wird in dieser festen Reihenfolge gezählt: Zuerst die Stöck (König & Ober/Dame vom Trumpf), dann der Wys (Meldungen) und erst ganz zum Schluss die Stiche. Wer so zuerst die Punktzahl knackt, gewinnt.

Das ist gefährlich! Wer sich bedankt, beendet das Spiel sofort. Stellt sich beim Nachzählen heraus, dass die nötigen Punkte doch noch nicht erreicht wurden, verliert man die gesamte Partie auf der Stelle. Wer sich bedankt, muss sich also absolut sicher sein.

Absolut. Jassen ist ein Spiel der Konzentration. Das Klopfen auf den Tisch oder das Ausrufen von «Bock» (wenn man eine sichere Karte spielt) ist unhöflich und bei Turnieren sogar verboten. Auch bereits umgedrehte Stiche darf man während des Spiels nicht mehr anschauen.

Jassen ist echtes TV-Gold. Der „Samschtig-Jass“ startete bereits 1968 (damals unter dem Titel «Stöck, Wys, Stich») und ist heute die älteste Unterhaltungssendung Europas. Im Januar 2025 feierte das Schweizer Fernsehen die beeindruckende 1000. Sendung.

Bei beiden Varianten gibt es keinen Trumpf. Beim «Obenabe» ist das Ass die höchste Karte (wie gewohnt), während beim «Undenufe» die Hierarchie auf den Kopf gestellt wird: Hier ist die 6 die stärkste Karte und das Ass die schwächste. Die Zählwerte (z. B. 11 Punkte für das Ass) bleiben meist identisch.

Früher war das Jassen eine wichtige Einnahmequelle für den Staat. Um sicherzustellen, dass die Spielkarten ordnungsgemäss versteuert wurden, musste der Hersteller auf einer bestimmten Karte (meist dem Schellen-Ass oder dem Herz-Ass) einen offiziellen Steuerstempel aufdrucken. Erst mit der Aufhebung der Spielkartensteuer in der Schweiz im Jahr 1934 verschwand diese Pflicht, doch das Design vieler Karten erinnert heute noch dezent an diese «gebührenpflichtige» Zeit.

Nicht ganz quadratisch, aber die Proportionen waren früher deutlich breiter und die Karten grösser. Die heute übliche schmale, handliche Form (ca. 56 x 89 mm) setzte sich erst durch, als das Spiel in Wirtshäusern immer populärer wurde. Die Karten mussten schmal genug sein, damit man alle neun oder zwölf Karten bequem in einer Hand fächern konnte, während die andere Hand das Weinglas hielt.

Das Wort «Jass» stammt vom holländischen Namen «Jasper» ab, was eine Kurzform von Kaspar ist. Im 18. Jahrhundert war es in den Niederlanden populär, die Trumpf-Karte nach einer gewöhnlichen Person zu benennen, um den Adel (König) symbolisch zu schlagen. Dass der «einfache Mann» plötzlich die höchste Karte im Spiel wurde, war zur Zeit der Französischen Revolution ein fast schon politisches Statement am Jasstisch.

Ja, es gab Versuche, den Jassgraben zu überwinden. Der bekannteste Versuch ist der sogenannte «Kombi-Jass… oder „Einheits-Jass“. Dabei wurden die Karten so gestaltet, dass in den Ecken sowohl die französischen Symbole (z. B. Herz) als auch die deutschen Symbole (z. B. Rosen) abgebildet waren. Trotz der praktischen Idee setzte sich das Set nie durch – die Schweizer blieben ihren regionalen Bildern leidenschaftlich treu.

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